Chronik

22 Männer gründen im Badischen Hof die Freiwillige Feuerwehr
Im Jahre 1904 gründete sich in Deutschland der Deutsche Feuerwehrverband und auch in Mühlhausen wuchs der Wunsch das Feuerlöschwesen neu zu ordnen und auf freiwillige Basis zu stellen. Aus diesem Grund lud Bürgermeister Carl Adam im Jahre 1924 zu einem Gespräch in den Badischen Hof ein. Dabei zeigte sich, dass auch in Mühlhausen Interesse an der Gründung einer Feuerwehr bestand. 22 Männer erklärten sich spontan zum freiwilligen Feuerwehrdienst bereit und wählten aus ihren Reihen den Zimmermeister Wilhelm Neidig zum Kommandanten.
Die Gründer schrieben ihre Ziele selbst nieder: Durch tätige Hilfeleistung bei Feuergefahr, Wassernot, Hochwasser und anderen Notständen Leben und Besitz der Bürger zu schätzen und zu retten. Die erforderliche Ausrüstung wurde durch die Gemeinde angeschafft. Das wöchentliche Üben gehörte in der Zukunft zum Pflichtprogramm, um im Ernstfall wirksam eingreifen zu können.
Spritzenanhänger
Der Spritzenanhänger musste noch selbst gezogen werden.
Gründungskommandant Wilhelm Neidig leitete die Wehr zwölf Jahre lang bis zum Jahre 1936. Sein Nachfolger Eugen Becker war während des ganzen zweiten Weltkriegs an der Front und wurde in dieser Zeit von Franz Epp vertreten. Aus dem Krieg zurückgekehrt, machte sich Eugen Becker daran, die Freiwillige Feuerwehr vom Grunde an neu aufzubauen. Viele Feuerwehrkameraden waren unter den 114 Gefallenen und 45 Vermissten unserer Gemeinde. Eugen Beckers tragischer Tod im Jahre 1950 erschütterte nicht nur die Feuerwehr. Sein Stellvertreter Franz Epp übernahm das Kommando für kurze Zeit und übergab dieses im Jahre 1950 an das Gründungsmitglied Emil Spengel, der es 1954 an Ernst Six übertrug. Berufliche Gründe zwangen den Kommandanten Ernst Six im Jahre 1961 dazu, sein Amt zur Verfügung zu stellen. Zu seinem Nachfolger wurde Pius Fellhauer gewählt und vom Gemeinderat bestätigt. Ein neues Löschfahrzeug ersetzt die alte Motorspritze.

Text wenn Zeiger über Bild
Kommandant Pius Fellhauer bei der Übergabe des ersten Löschfahrzeugs 
Erst im Jahre 1952 hatten die privaten Brunnen ausgedient. Mühlhausen bekam eine eigene, zentrale Wasserversorgung. Damit wurde der Feuerwehr ein wirksames Mittel zur Bekämpfung von Bränden in die Hand gegeben. Nicht mehr den Erfordernissen der Zeit entsprach dagegen die Motorspritze aus dem Jahre 1934. Trotz liebevoller Wartung und sorgfältiger Pflege zeigten sich immer mehr Alterserscheinungen, sodass ihre Einsatzbereitschaft stark eingeschränkt war. Darüber hinaus wuchs unser Dorf und dehnte sich nach allen Seiten aus. Im Ernstfall zog man die Geräte im Eilmarsch bis zur entferntesten Brandstelle. Im Gemeinderat erkannte man diese Notlage, doch es dauerte bis zum Jahre 1964 ehe die alte Motorspritze nach genau 30 Jahren Dienst ausgemustert und erstmals ein Löschfahrzeug angeschafft wurde.
Äußerer Anlaß war das 40jährige Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr, als dessen Höhepunkt das Fahrzeug durch Pfarrer Rudolf Kurz gesegnet und durch Bürgermeister Philipp Ernst Kretz an die Feuerwehr übergeben wurde. Beim abendlichen Festbankett wurden die Gründungsmitglieder Wilhelm Stiel, Karl Kretz und Josef Rittel geehrt. In ihrem Jubiläumsjahr leistete die Wehr einen wertvollen Beitrag zur deutsch-französischen Verständigung. Im elsässischen Lingolsheim bei Straßburg besuchte man die dortige Feuerwehr, knüpfte persönliche Freundschaften und half mit, bestehende Vorurteile abzubauen und das friedliche Miteinander zu fördern. Weil das neue Löschfahrzeug in der alten Kelter untergebracht werden sollte, waren umfangreiche Umbaumaßnahmen notwendig. In Eigenarbeit richtete man sich gleich nebenan einen gemütlichen Unterrichtsraum ein. Das neue Löschfahrzeug erforderte ein dauerndes, verstärktes Üben. Fester Bestandteil in diesem Übungs-programm wurde ab 1965 die jährliche Waldbrandübung. Ebenso wie bei der Jahreshauptübung bewiesen die Aktiven, dass sie für den Ernstfall bestens gerüstet sind. Über viele Jahre schloss sich an die Übung im Wald das traditionelle Waldfest an, dessen Erläs im Jahre 1967 für die Aktion Sorgenkind bestimmt war. So ging damals ein Scheck über 1.000 Mark an die Lebenshilfe in Wiesloch.
Hochwasser
Die Hochwasserkatastrophe - eine Bewährungsprobe für die Feuerwehr

Die Hochwasserkatastrophe - eine Bewährungsprobe für die Feuerwehr
Eine der größten Bewährungsproben in ihrer Geschichte erlebte die Freiwillige Feuerwehr in den Jahren 1968 und 1969. In schlimmer Erinnerung sind jene Nächte vom 26. zum 27. und vom 27. zum 28 Juli 1969, als nach sintflutartigen Regenfällen die Fluten des Angelbachs weite Teile unseres Dorfes unter Wasser setzten. Gegen die Gewalt der Wassermassen war auch die Feuerwehr machtlos. Aber als das Wasser abgezogen war, half man rund um die Uhr, die Keller auszupumpen, Hab und Gut aufzuräumen, die Schlammmassen zu beseitigen und die Straßen zu reinigen.


Von der alten Kelter ins neue Feuerwehrhaus im “Rauchleder”

Jarhzehntelang hatte die alte Kelter als Unterschlupf für die Feuerwehr und ihrer Geräte gedient. Durch die modernere Ausrüstung war es in den historischen Räumen zu eng geworden. Die Führung war damals gerade von Pius Fellhauer auf Georg Mayer übergegangen. Im Gewerbegebiet Rauchleder fand man im Jahre 1978 eine verkehrsgünstig gelegene ehemalige Kfz-Reparaturwerkstätte, die künftig der Gemeinde als Feuerwehrgerätehaus und als Bauhof dienen sollte. In der geräumigen Halle fanden die Geräte des Bauhofs und der Feuerwehr ihren Platz. In den ehemaligen Büroräumen  richtete sich die Feuerwehr in Eigenarbeit ihren Unterrichts- und Kameradschaftsraum ein.

Tanklöschfahrzeug
Einweihung des neuen Tanklöschfahrzeugs mit 1600 Liter Wassertank.


Von 1983 bis 1990 übernahm Karl-August Hass das Kommando der Freiwilligen Feuerwehr, er war auch Haupkommandant der Gesamtwehr von 1984 bis 1989. Sehr fortschritlich und erfolgreich gestaltete sich das Jahr 1985 für die Freiwillige Feuerwehr Mühlhausen. Als nachweihnachtliches Festgeschenk bekam man Anfang Januar ein nagelneues Tanklöschfahrzeug. Mit insgesamt fünf Einsatzfahrzeugen war die Gesamtfeuerwehr, gegliedert in die Abteilungen Mühlhausen, Rettigheim und Tairnbach, damit für Notfälle bestens gerüstet. Etwa 80 aktive und 24 Jugendliche scharten sich damals unter dem Dach der Gesamtfeuerwehr.


Eine neue Halle für die Einsatzfahrzeuge
Halle
neues Dach für die Fahrzeuge”
Löschfahrzeug
neues Dach für die Fahrzeuge
Das gemeinsame Dach von Bauhof und Feuerwehr war jetzt zu klein. Deshalb beschritt die Gemeinde neue Wege und mietete im Jahre 1985 auf der gegenüberliegenden Seite der Straße eine Halle für die Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr. Der neue Standort von Feuerwehr und Bauhof garantierte trotz räumlicher Trennung die Einheit von Feuerwehr und Bauhof, die im Ernstfall unabdingbar war. Am 5. Dezember 1985, es war ein Sonntag, wurde die Halle von Pfarrer Rupert Kleemann gesegnet und von Bürgermeister Richard Schneider an den Kommandanten Karl-August Hass übergeben. Vier Jahre später wurde das Konzept zur Ausstattung der Freiwilligen Feuerwehr abgeschlossen. Das alte Löschfahrzeug, das rund 25 Jahre seinen Dienst getan hatte, wurde im September 1989 durch ein neues ersetzt.

MTW
neuer MTW
Von 1990 bis 1995 war Hubert Becker Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr.
In seiner Amtszeit wurde 1995 beim Ausbau des Dachgeschosses im Feuerwehrgerätehaus ein Gemeinschaftssaal für Unterricht und Geselligkeit eingerichtet. Seit 1995 ist Helmut Klein Kommandant der Abteilung Mühlhausen. Noch moderner ausgerüstet mit einem 1998 neu angeschafften Mannschaftstransportwagen und einer Tragkraftspritze - so präsentierte sich die Feuerwehr bei ihrem 75jährigen Jubiläum im Jahr 1999 und am Übergang ins nächste Jahrtausend.
Die Aufgaben sind mächtig gewachsen, doch die Feuerwehr wird ihrem Leitspruch ”Gott zur Ehr´, dem Nächsten zur Wehr” auch in Zukunft treu bleiben und das Leben und Gut der Bevölkerung schützen.

Ein neues Jahrtausend 
Neue Herausforderungen im neuen Jahrhundert. Die Zusammenarbeit der Abteilungen gewann zunehmend an Wichtigkeit. Denn vorbei die Zeiten an denen genügend Arbeitsplätze im eigenen Ort vorhanden waren. So wurde es vor allem am Tag eine Herausforderdung schnell und schlagkräftig zu den Einsätzen zu eilen.
 
Gebäudebrand
Brand der Orgelbaufirma Göckel in Rettigheim
Die Zusammenarbeit funktioniert 
Übungen auch jenseits der bekannten durchgeführten Hauptübungen zeigten ein neues Team, das nicht nur auf die Ortsgrenzen beschränkt war. Das dies nötig war zeigte sich bei größeren Einsätzen, wie dem Großbrand einer Orgelbaufirma im Jahr 2001, oder ein Brand in der Kraichgauhalle an dem jeweils 100 Feuerwehrleute im Einsatz waren.
 
Verkehrsunfall
schwerer Verkehrsunfall Richtung Malsch
Ein dunkles Jahr
Nicht nur die Zusammenarbeit änderte sich grundlegend. War die Feuerwehr eine Organisation zu Brandbekämpfung wurde spätestens im neuen Jahrtausend der Schwerpunkt auf technische Hilfeleistung gelegt. Denn egal wie gut die Fahrzeuge wurden, die Fahrer wurden es nicht. So verzeichnete die Feuerwehr innerhalb eines Jahres 3 schwere Unfälle, von denen 2 tödlich endeten. Hier wurde auch der "kleinen" Freiwilligen Feuerwehr psychische Belastungen bewusst die während Einsätzen auftreten können.

Zeiten ändern sich

Im Jahr 2003 wurde Gerhard Batzler Kommandant und Marcel Kaptein sein Stellvertreter. So wie sich die Führung änderte, so änderten sich auch Ansichten. Was passiert wenn die Feuerwehr zuerst am Unfallort ist. Wer kann den Verletzten helfen, bis der Rettungsdienst eintrifft? Diese Frage wurde im Unterkreis Wiesloch gelöst und die ersten Feurwehrsanitäter wurden ausgebildet. Diese sollten nicht nur helfen bis ärztliche Hilfe eintrifft, sondern auch den Kameraden und Kameradinnen Rückhalt sein, falls denen etwas passiert.

Feuerwehrsanitäter
1. Gruppe zu Feuerwehrsanitätern ausgebildet
Stetiger Wandel
Im Jahre 2008 übernahm Thomas Becker die Führung der Abteilung Mühlhausen. Geld spielte schon immer eine Rolle, so musste auch bei der Feuerwehr gespart werden. So wurde in der Abteilung Tairnbach eine gemeinsame Kleiderkammer eingerichtet um Kosten für Einsatzkleidung zu optimieren. Trotz des anhaltenden demografischen Wandels und der älter werdenden Bevölkerung ist es dem Ehrenamt dennoch gelungen dem entgegenzuwirken und weiterhin schlagkräftig zu bleiben.

Fit für die Zukunft
Mehr Personal, bessere Ausbildung und das ehrenamtlich. Doch dies hat eine Grenze die mal erreicht wird, die Technik. Daher freut sich die Abteilung Mühlhausen auf Verstärkung in Form eine HLF 10/6 in 2013.
(Bis 1999 Auszug aus der Festschrift zum 75jährigen Jubiläum)